News aus Martinique

Heute ein etwas kritischer Artikel, wir wollen auch einmal die andere Seite der türkisblauen, sandigen, karibischen Medaille aufzeigen. Dazu muss man natürlich auch sagen, dass wir nicht alle über einen Kamm scheren wollen, wie in allen Bereichen gibt es Solche und Solche, heute geht es also um Solche.

Manchmal kann man sich einfach nur über die Einstellung anderer Segler wundern. Zum einen, wenn es um das Thema Sicherheit geht. Über das Caribbean Safety and Security Net sind wir informiert über Unfälle/Diebstähle etc., die in der Karibik stattfinden. Man macht sich dann natürlich Gedanken über die eigene Sicherheit. Das Netzwerk informiert über die Art und Umstände des Ereignisses. In einigen Fällen wurde es den Dieben durch offene Luken und Fenster leicht gemacht. Es scheint für einige Segler eine Selbstverständlichkeit zu sein bei Abwesenheit oder nachts das Schiff sperrangelweit offen zu lassen und davon auszugehen, dass schon niemand diese Situation ausnutzt. Doch kann man es den manchmal sehr armen Einheimischen verübeln, dann „zuzugreifen“? Nicht, dass wir die Diebstähle dann gut heißen, aber wundern braucht man sich da auch nicht mehr. Bevor es auf große Fahrt ging, hatte man sich noch vorgenommen selbst offen zu sein für alles, was die kommende Reise zu bieten hat. Aber muss das denn auch gleichzeitig heißen, dass das Schiff auch offen (für alle) sein muss? Während dieser Überlegungen im heimischen Wohnzimmer war die Wohnungstür vermutlich abgeschlossen.

Ähnliches gilt für Dingis. Sie sind unsere Landverbindung und damit enorm wichtig für uns Segler. So wichtig wie in unserem früheren Leben bspw. das Auto/Motorrad/Fahrrad, ohne das man nirgendwo hinkommt. Genauso für das Auto/Motorrad/Fahrrad hat man vor dem Kauf des Dingis Kataloge gewälzt, Informationen eingeholt und hoffte darauf ein Schnäppchen zu machen und gleichzeitig ein Dingi für die Ewigkeit zu haben, das allen Ansprüchen genügt. Doch kaum hat man das mehrere tausend Euro teure gute Stück aufgepumpt und den nicht minder teuren Motor montiert, ist es für viele völlig selbstverständlich das Dingi beim Landgang nicht anzuschließen und auch nachts nur an einem „Schnürsenkel“ ans Schiff zu hängen. Wird schon keiner klauen. Die Frage ist, ob am ursprünglichen Wohnort genauso unachtsam mit dem liebgewonnenen Vehikel umgegangen wurde. Wohl eher nicht. Ein Dingidiebstahl ist ärgerlich, aber zumindest können Vorkehrungen getroffen werden, um die Chancen eines Diebstahls zu verringern und der finanzielle Einsatz dafür ist im Vergleich zum Wert des Dingis vernachlässigbar.

Der zweite Grund sich über manche Segler zu wundern, ist der Zustand ihres Schiffes. Mit manchen Schiffen würden wir „Spießer“ nicht mal den Hafen verlassen. Leider geht der desaströse Zustand solcher Yachten auch manchmal auf Kosten von anderen Seglern. Zu guter Seemannschaft gehört ja nun auch, andere nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Wenn man sich allerdings mit nicht funktionierenden Segeln, einem kaputten Dieselmotor, einem nicht funktionierenden Außenborder für das nicht mehr vorhanden Dingi und ohne Ankerkette (d.h. nur Anker mit Leine) mitten in ein enges Ankerfeld legt, so wie hier kürzlich geschehen, dann hört der Spaß für uns auf. Hier am Ankerplatz waren vielleicht 3 kt Wind und dennoch ging die Yacht auf Drift, man konnte ihr zu schauen wie sie cm für cm nach hinten in eine brandneue 50 ft Yacht hineinrutschte. Die Crew der großen Yacht befand sich zu der Zeit an Land. Die Crew der driftenden Yacht hat sich angeschaut was passiert, aber getan wurde nichts. Den einen Fender, den man versucht hat zu verwenden, hätte man auch gleich ins Meer werfen können, er war nämlich komplett ohne Luft und kaputt.

Da ich zu der Zeit allein an Bord war (siehe nächster Artikel), blieb mir nichts anderes übrig als unsere Fender klar zu machen, falls die Yacht in uns driften sollte. Eine schweizer Yacht erbarmte sich dann die Yacht abzuschleppen und so ankerten sie wieder an ihrem alten Platz, doch weiterhin ohne Kette, es war also klar, dass das höchstens eine Stunde gut geht, bis sie in der nächsten Yacht landen (diesmal standen meine Chancen nicht schlecht getroffen zu werden). Mit dem Dingi bin ich dann zu ihnen gefahren und habe nach dem Problem gefragt. Die Kommunikation war nicht ganz so einfach, da auf der Yacht französisch und spanisch gesprochen wurde. Doch verstanden habe ich, dass eigentlich alles an diesem Schiff kaputt ist und sie gerade aus Venezuela kommen und dort wohl auch wieder hinwollen. Ich informierte sie über Yachthäfen in der Nähe, wo sie problemlos Schlepphilfe bekommen hätten. Doch sie hatten es nicht eilig aus dem engen Ankerfeld weg zu kommen. Mit einem mehr als manövrierunfähigen, driftenden Boot in einem engen Ankerfeld hätte ich wahrscheinlich 10 Herzinfarkte und weitere 20 Nervenzusammenbrüche erlitten.

Nachdem nun also die Yacht diesmal fast auf uns gedriftet ist, sind sie doch noch Anker aufgegangen und haben ihre defekte Rollanlage fürs Vorsegel bemüht und sind recht knapp an einigen Yachten hinaus gesegelt. Wir hoffen, sie kommen nicht so schnell wieder, denn vermutlich bleibt die Yacht in diesem Zustand, geht ja auch so…

Hier crasht die manövrierunfähige Yacht in die brandneue Yacht

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Die Royal Clipper ist für einige Tage auf dem Trockendock in Martinique, bevor sir zur Atlantiküberquerung aufbricht

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Die Royal Clipper verlässt Martinique, um in Barbados Passagiere aufzunehmen. Nun ist sie auf dem Weg ins Mittelmeer. Die Saison für Kreuzfahrtschiffe in der Karibik ist schon seit ein paar Wochen vorbei

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Was für eine süße Katze auf dem Nachbarschiff

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Kratzbaum, ob das dem Segel gefällt?

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