Plan C: über die Kapverden und franz. Guyana in die Karibik

Nun sind wir wieder alleine und unser Bordalltag kehrt wieder ein. Diese Woche werden wir die Dichtungen an der Motorkühlung austauschen und auch sonst haben wir noch einiges vor. Wir werden wieder eine Lebensmittelinventur machen und dann entscheiden, was wir noch alles einkaufen wollen und das wird nun doch mehr werden als wir gedacht haben. Denn, wir werden weiter gen Westen fahren! Ihr habt richtig gelesen, wir haben unseren Plan wieder geändert :-). Wir haben lange überlegt und uns nun dafür entschieden unsere Chance in die Karibik fahren zu können, zu nutzen. Wir haben ein Schiff das funktioniert und die Überfahrt locker wegsteckt, wir haben Erfahrung genug, um das Vorhaben Atlantiküberquerung zu wagen. Natürlich habe ich mich auch noch weiter damit beschäftigt, wie ich das mit der Seekrankheit besser in den Griff bekomme. Bevor wir abfahren, werde ich meine Ernährung so anpassen, dass ich möglichst nur Lebensmittel esse, die die Histaminproduktion nicht ankurbeln. Außerdem haben wir viel Vitamin C aus der Apotheke besorgt und werden das täglich zu uns nehmen. Desweiteren habe ich die üblichen Antihistaminika in Tablettenform und hoffentlich auch bald die Scopolamin-Pflaster. Diese Pflaster sind gar nicht so leicht zu bekommen, hier in Spanien sind sie gar nicht verfügbar und in Deutschland bekommt man sie nur gegen Rezept, dazu kommt leider auch, dass diese Pflaster sehr teuer sind, so um die 5-6 € für ein Pflaster muss man schon rechnen, dafür soll es aber auch 3 Tage halten und danach sollte man sich ja an die Bewegungen gewöhnt haben! Wenn ich für 5 € nicht seekrank bin, dann sind das die bestinvestierten 5 € in meinem ganzen Leben :-).

Unsere Routenplanung sieht nun folgendermaßen aus: Wir peilen hier Mitte April als Abfahrtstermin auf die Kapverden an. Der Abfahrtstermin ist abhängig davon, wie schnell wir mit allem fertig werden was wir noch erledigen wollen und wie natürlich das Wetter ist! Wir werden dann Mindelo auf Sao Vicente anlaufen, die Strecke von ungefähr 860 sm sollten wir in 6-8 Tage geschafft haben. Sollten wir irgendein Problem am Schiff haben, so ist die „Versorgungslage“ in Mindelo auf den Kapverden am besten, außerdem ist es eine Insel, auf der man ein- und ausklarieren kann. Das wird dann auch das erste Mal für uns werden. Die Insel wollen wir uns dann anschauen und wir werden uns natürlich ausruhen und hoffentlich viel schlafen! Unser Felix will nach der Überfahrt bestimmt auch ein bisschen gepflegt werden und wieder auf Vordermann gebracht werden und wir werden wieder Proviant besorgen, denn dann soll es weiter gehen nach franz. Guyana. Lange wollen wir uns nicht auf Sao Vicente aufhalten, wir möchten zügig weiter fahren, da wir den Start der Hurrican-Saison nicht miterleben wollen, dazu später mehr. Wir wollen die Iles du Salut vor franz. Guyana anlaufen und dort ankern. Die Inseln sind sehr geschichtsträchtig, denn bis 1951 wurden auf den Inseln Strafgefangene untergebracht und das unter unmenschlichen Bedingungen. Wenn man sich vorstellt, dass die winzigen Zellen wohl kein Dach hatten, sodass die Gefangenen der sehr starken Sonnenstrahlung und auch den tropischen Regengüssen ausgesetzt waren, dann kann man sich ein bisschen vorstellen, dass es keine Freude war, dort festgehalten zu werden. Bis zum Ankerplatz vor der Ile Royale sind es von Mindelo aus fast 1800 sm, d.h. wir benötigen vermutlich um die 12-18 Tage. Auf den Inseln werden wir dann solange bleiben, wie es uns gefällt und wollen dann weiter nach Kourou (Festland) fahren, dort werden wir dann hoffentlich noch einen Start einer Rakete vom Weltraumbahnhof sehen können. Von Kourou aus soll es weiter gehen in den Maroni River und von dort dann evtl. weiter nach Paramaribo in Suriname. Endgültig entscheiden wir das dann vor Ort. Gegen November wollen wir dann auf Trinidad sein und mit dem Ende der Hurrican-Saison wollen wir dann in die Karibik starten!

Zum Thema Hurricans: Wer sich dafür interessiert, findet hier eine tolle Homepage des amerikanischen NOAA (national oceanic and atmospheric administration). Hier sind alle Hurricans gespeichert, die jemals aufgezeichnet wurden. Durch die vorhandenen Filter kann man sich nun anschauen, wie das Verhalten der Hurricans in den letzten Jahren war, was natürlich nicht heißt, dass es die nächsten Jahre genau so weitergeht. Dennoch, wenn man sich anschaut, ob sich jemals ein Hurrican auf unserem geplanten Streckenverlauf gebildet hat, dann sieht man, dass eigentlich vor Juli kein Hurrican in diesem Teil des Atlantiks entsteht. Die Bennung der Hurricans ist genau geregelt. In jedem Jahr wird der erste Hurrican des Jahres einen Namen mit dem Anfangsbuchstaben „A“ bekommen, der zweite wird mit „B“ beginnen, der dritte mit „C“ und so weiter. In diesem Jahr wird der erste Hurrican Arthur heißen, der zweite Bertha und die weiteren Namen können im Internet nachgelesen werden. Natürlich gibt es auch noch Stürme, die zuerst aussehen als würden sie sich zu einem Hurrican ausbilden, tun es aber letzten Endes doch nicht, diese werden dann in einem Jahr nur durch numeriert. Von einem Hurrican spricht man, wenn er Windgeschwindigkeiten von 64 Knoten überschreitet, erst dann wird er namentlich benannt. Recherche hin und her, wenn wir im Mai auf den Kapverden los fahren, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir die Entwicklung eines echten Hurricans erleben werden. Außerdem sind wir eigentlich nur auf dem mittleren Drittel unserer Strecke „gefährdet“.

Wir sind schon etwas aufgeregt und können es selbst noch gar nicht glauben, dass wir in ein paar Wochen schon aufbrechen werden! Es gibt zwar noch einiges zu erledigen, aber nichts was wir in der Zeit nicht schaffen könnten. Felix ist in einem sehr guten Zustand, natürlich gibt es an manchen Stellen immer etwas zu verbessern, deshalb auch noch der Austausch der Dichtungen an den Motoren. Außerdem werden wir nochmal in den Mast hoch gehen und das stehende und laufende Gut überprüfen. Wir haben auch schon mehrere Stücke Stahlseile unterschiedlicher Stärke an Bord (die haben wir am Mülleimer gefunden, danke an den, der die Sachen neben und nicht in den Mülleimer gelegt hat!), sollte eine Wante oder Backstage Ermüdungserscheinungen zeigen, so können wir durch ein kurzes Stück Stahlseil und entsprechende Klemmen das alte Stahlseil stabilisieren. Außerdem haben wir noch ein Ersatzfall dabei, falls irgendein Fall oder auch eine Schot den Geist aufgeben würde. Es gibt noch viel zu tun, packen wir‘s an!

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