„Was macht ihr eigentlich den ganzen Tag?!?!“

Wir haben übrigens ein Album erstellt, mit allen Bildern, die wir hier schon veröffentlicht haben. Wir haben beschlossen, Alben in Zukunft chronologisch zu sortieren. Juni Bilder gibts dann im Juli!

2013-06-11 (Jersey)

Nachdem es am Morgen dann doch recht unruhig wurde, sind wir in die Marina von St Helier gefahren. Wenn wir schreiben, dass es ungemütlich ist oder wir sagen, dass wir hohe Wellen haben, dann versuchen wir davon immer Bilder zu machen, aber die können einfach nicht das zeigen, was wir erleben. Es ist fast unmöglich Wellen sinnvoll zu fotografieren.

Speedbootrennen in der St Aubins Bay.

Speedbootrennen in der St Aubins Bay.

Vor Anker in der St Aubins Bay mit Blick auf Elizabeth Castle .

Vor Anker in der St Aubins Bay mit Blick auf Elizabeth Castle .

Wir haben dann noch kurz günstig getankt, weil wir das ja auf Guernsey nicht mehr machen konnten und nun liegen wir ganz ruhig hier am Steg. Irgendwie waren wir dann doch etwas erschöpft und haben gestern nicht mehr so viel gemacht. Ein Rundgang durch die Stadt, ein paar Arbeiten am Schiff, Duschen gehen und schon ist der Tag wieder rum. Die Stadt ist sehr belebt. Man kommt sich vor wie in einer Großstadt mit den vielen Banken und Menschen, die in Anzügen herum laufen. Überall in der Stadt gibt es Schnellimbisse, in denen die ganzen Anzugträger Mittagspause machen und sich über irgendwelche alltäglichen Dinge unterhalten. Da stecken wir echt nicht mehr drin, wir haben nun einen anderen Rhythmus und ganz andere Prioritäten. Wo können wir einkaufen gehen, und das möglichst günstig? Wo können wir unsere Wäsche waschen? Woher bekommen wir Internet? Und vor allem wo ist ein sicherer und günstiger Platz für uns, im Hafen oder vor Anker? Und, wohin geht’s morgen? Wie ist das Wetter? Leider ist der Wind für die nächsten Tage nicht auf unserer Seite. Wir haben uns überlegt, die französische Küste etwas links liegen zu lassen, weil es dort kaum Häfen gibt, die zu allen Zeiten anzulaufen sind, und viele davon fallen auch trocken. Deswegen möchten wir eine längere Fahrt einlegen, um möglichst weit nach Westen zu kommen, wahrscheinlich fahren wir nach Roscoff, dort hat letztes Jahr eine ganz neue Marina eröffnet, die zu allen Zeiten anzulaufen ist. Danach kommt dann auch schon bald Brest und dann liegt ja auch schon die Biskaya vor uns. Da werden wir wohl recht spontan entscheiden, ob wir direkt darüber fahren oder an der Küste entlang fahren. Aber wir hoffen, dass das Wetter eine Überfahrt zulässt, wir wollen so langsam immer dringender weiter nach Süden.

Felix im Hafen von St Helier (Jersey)

Felix im Hafen von St Helier (Jersey)

Feiern, dass die Deutschen weg sind!

Feiern, dass die Deutschen weg sind!

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Hier könnt ihr nachlesen, warum man sich hier so gefreut hat 🙂

2013-06-12 (Jersey)

Ausgeschlafen, seit langem mal wieder! Ihr glaubt gar nicht, wie erschöpft wir manchmal sind, die Tage sind mehr als ausgefüllt und vor Anker schläft man auch nicht so tief wie im Hafen. Zu hause kümmert man sich nur insofern ums Wetter, ob man einen Schirm mitnimmt oder nicht, hier steckt mehr dahinter. Haben wir gar keinen Wind, müssen wir alles motoren, kommt der Wind von vorne, dann müssen wir auch motoren, und das auch noch auf Kotzkurs! Und auch wenn wir idealen Wind haben, so sind wir unterwegs nicht untätig, irgendwas ist immer: Fischernetze, Hochgeschwindigkeitsfähren, Rennboote, navigatorische Warnungen per Funk (z.B. dass bald irgendwo was in die Luft fliegt). Aber: Wir wollen nicht jammern, uns geht es gut und wir sind sehr zufrieden. Aber da die Frage ja öfters auftaucht, was wir eigentlich so den ganzen Tag machen, wollen wir euch das ein bisschen erklären. Auch heute hat die Planung für die nächsten Tage viel Zeit in Anspruch genommen, da die Wetterlage für die nächsten Tage sehr unstet ist und wie hier ja immer noch sehr viel Tidenhub und Strömungen haben, sodass man auch nicht einfach mal so los fahren kann. So geschützt wie wir hier liegen, wir können hier aus dem Hafen auf Grund eines Sülls nicht immer auslaufen, nur plus/minus 3 Stunden um Hochwasser, d.h. nur zweimal am Tag.

Unsere Planung sieht momentan in etwa so aus:

  1. Wind für die nächsten Tage? (Richtung, Stärke, Böen, Konstanz)
  2. Wo kommen wir mit diesem Wind hin? Für alle Nichtsegler, wir (wie auch alle anderen Segelschiffe) können nicht mit einer festen Windrichtung in alle beliebigen Richtungen segeln. Vor allem können wir natürlich nicht gegen den Wind segeln.
  3. Wie weit entfernt liegt das Ziel? Erreicht man das an einem Tag? Oder müssen wir über Nacht fahren? D.h. kann man den Hafen bei Nacht sicher anlaufen? Nachts sieht man eigentlich gar nichts, besonders keine Fischernetze, Felsen, die aus dem Wasser ragen (von denen gibt es hier genug!) etc.
  4. Schaffen wir es für diese Route die Strömung auf unserer Seite zu haben, zumindest größtenteils? Durch Ebbe und Flut fließt das Wasser permanent hin und her. Dafür brauchen wir Strömungskarten, die uns sagen, wie viele Stunden vor und nach Hochwasser (in unseren Karten ist das Hochwasser von  Dover der Bezugspunkt) das Wasser mit welcher Geschwindigkeit in welche Richtung fließt. Das Strömungsverhalten ist natürlich um Inseln und Kaps ziemlich wirr. Wie wir bereits geschrieben haben, gibt es rund um die englischen Kanalinseln Strömungen bis zu 10 Knoten, d.h. bei „falscher“ Strömung kommen wir unter Segeln oder auch Maschine (5-6 Knoten) nicht voran, bzw. fahren sogar rückwärts. Da sich Ebbe und Flut ca. alle 6 Stunden abwechseln, gibt es auch nur maximal 6 Stunden Strömung in dieselbe Richtung. Das wiederum heißt, dass wenn man länger als 6 Stunden unterwegs ist, man die Strömung zwangsweise irgendwann gegen sich haben muss. Wann müssen wir also losfahren?
  5. Kommen wir zu dieser Zeit aus dem Hafen heraus?
  6. Wann kommen wir voraussichtlich an? Hier müssen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit rechnen, die wir nur schätzen können. Mittlerweile wissen wir zwar ungefähr, wie schnell Felix auf gewissen Kursen segeln kann, aber ob der Wind hält was er versprochen hat, können wir auch nicht wissen. Zusätzlich muss mit mitlaufender oder gegenlaufender Strömung gerechnet werden.

Das alles bedeutet immer einen Kompromiss (Wind, Strömung, gewünschtes Ziel, Ankunftszeit, Länge des Törns) zu finden, das kann auch heißen, dass man auch mal mitten in der Nacht losfahren muss, damit alles einigermaßen passt.

Jetzt wisst ihr in etwa, für was unsere Zeit so drauf geht. Ein bisschen Zeit bleibt natürlich noch, um sich am neuen Ort umzuschauen und dann im Blog darüber zu berichten. Mittlerweile haben wir so viel über Navigation gelernt, wie man in tausend Theoriekursen nicht lernen kann und jedes sichere Ankommen ist ein Erfolgserlebnis, dass wir dann auch als solches genießen.

Auf der ist Sven mal durch Indien gefahren!

Auf der ist Sven mal durch Indien gefahren!

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