Wer den Pfennig nicht ehrt …

Bequia gefällt uns wie bei unserem ersten Besuch sehr gut. Die Menschen sind freundlich und man wird hier auch nicht angebettelt. Wer hier Geld verdienen möchte, bietet uns immer eine Leistung an. Wie zum Beispiel der Mann im Kanu, der unser Unterwasserschiff gesehen hat und erkannt hat, dass es ziemlich zugewachsen ist und daher uns einen Putzdienst anbieten wollte. Da mussten wir ihn allerdings enttäuschen. Da unser Krantermin in 4 Wochen naht, gibt es da nicht mehr viel zu retten. Außerdem brauchen wir ja selbst ein bisschen Ausgleichssport und da kommen ab und zu ein paar Stunden am Schiff rumschrubben gerade recht.

Eine typische Begegnung mit Einheimischen hatte ich dann auf dem Weg zum Bankautomat. Neben einer schattigen Bank lag eine 1 Cent Münze auf dem Boden, die ich natürlich aufgehoben habe und eingesteckt habe. Beim Weglaufen höre ich das Mädchen auf der Bank zu ihrer Freundin lachend sagen: Schau mal, die hat meine 1 Cent Münze aufgehoben! Auf meinem Rückweg erzählte mir ihre Mutter, dass ich das nicht aufheben müsse, denn die Münzen seien nichts mehr wert. Diese Fehleinschätzung liegt daran, dass die Karibikstaaten, die als Währung den Ostkaribischen Dollar haben, beschlossen haben, die 1 und 2 Cent Münzen aus dem Verkehr zu ziehen, da sie viel zu oft weggeworfen werden, kaum einen Wert haben und die Produktionskosten einfach zu hoch sind. Seit dem 01.07.2015 wird also nun in allen Geschäften der Endbetrag gerundet, so wie es in Holland auch der Fall ist. Das heißt aber natürlich nicht, dass diese Münzen nichts mehr wert sind, im Gegenteil, erst in 10 Jahren geht man davon aus, dass alle 1 und 2 Cent Münzen aus dem Verkehr gezogen sind. Der Dame habe ich dann auch das gesagt, allerdings war sie felsenfest davon überzeugt, dass das Geld nichts mehr wert sei. Dem Mädchen habe ich gesagt, dass wir schon sehr viel Geld auf den Grenadinen gefunden habe, das konnte sie nur bestätigen und meinte, dass auf St. Vincent überall Geld liegen würde! Als ich ihr dann gesagt habe, dass sie nur 1 Woche alles Geld was sie sieht aufheben müsse und sich dann davon etwas zu trinken oder essen kaufen könne, war sie irgendwie erst mal geschockt. Man konnte zuschauen wie in ihrem Kopf eine neue Verknüpfung hergestellt worden ist. Denn bisher wurde Kleingeld nicht mit etwas Kaufbarem assoziiert. Diese Einstellung konnten wir schon sehr oft beobachten. Teilweise wurden wir um Geld angebettelt und hoben vor der Nase der Bettler Geld von der Straße auf und wiesen sie auch darauf hin, worauf wir meist nur ein Kopfschütteln erhielten. Der Spruch: Kleinvieh macht auch Mist ist hier eben unbekannt.

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