//WL2K Wir sind auf den Kap Verden!

Wir haben es nun also tatsächlich geschafft! Wir sind auf den Kap Verden angekommen! Natürlich wissen wir, dass es schon viele vor uns unter weitaus widrigeren Bedingungen auch geschafft haben, aber dennoch sind wir stolz auf uns und natürlich auch auf unseren dicken Felix! Der hat uns 7 Tage 24 Stunden am Stück nicht einmal im Stich gelassen oder auch nur den kleinsten Zweifel an seiner Seetüchtigkeit aufkommen lassen! Wir wussten schon vorher, dass Felix gut geeignet ist für diese Strecke, aber es hat sich nun noch deutlicher gezeigt, dass die Passatwinde die idealen Bedingungen für Felix sind und er mit Wind und Welle von hinten ruhig und sicher seine Meilen abspult. Aber von Anfang an:
Am 21.04. sind wir noch in Las Palmas kurz in den Supermarkt gelaufen, um ein bisschen frisches Obst, Gemüse und Brot zu besorgen. Das Schiff hatten wir ja am Tag zuvor schon fertig gemacht, so mussten wir nur noch die Wassertanks voll machen, die Segel vorbereiten und die Festmacher lösen. Dann ging es zur Tankstelle und wir haben noch ein bisschen Diesel und Benzin für unseren Außenborder getankt. Die Vorhersage versprach ja nur 8-12 Knoten Wind aus nördlicher Richtung, aber wie erwartet war es dann doch eine Windstärke mehr entlang der Insel. Um 12:00 UTC haben wir dann Las Palmas verlassen. Wir haben gleich nach der Hafenausfahrt das Großsegel gesetzt und mussten dann unseren Weg durch die vielen großen Frachtschiffe, die vor Anker lagen finden. Als wir dann fast an einem kleineren Kreuzfahrtschiff vorbei waren, das gerade sehr langsam seinen Anker aufholte (was wir natürlich permanent beobachtet haben), kam ganz plötzlich ein Lotsenschiff von Gran Canaria näher und scheu
chte uns wirsch weg, wir sollen umdrehen, ganz schnell! Uns blieb nichts anderes übrig als deren Anweisung Folge zu leisten. Das Kreuzfahrtschiff hat dann langsam Gas gegeben und ist davon gefahren. Verstanden haben wir diese unnütze Aktion nicht. Wir sind mit konstanter Geschwindigkeit und konstantem Kurs gesegelt, waren per Funk zu erreichen und waren ja auch schon so gut wie vorbei an dem Kreuzfahrtschiff. Man hätte also entweder schon vorher per Funk ankündigen können, dass wir „im Weg“ sind, oder das Kreuzfahrtschiff hätte einfach nur noch 1 min warten müssen und dann erst Gas geben, dann wäre er eben hinter uns durchgefahren. Naja, etwas unnötig, aber es war ja noch keine Welle, so war es kein Problem ein Stück gegen die Welle zu fahren. Nachdem wir dann endlich alle Ankerlieger hinter uns hatten, haben wir das Vorsegel auch noch gesetzt und dann war es wirklich perfektes Segeln. Der Wind kam stetig von hinten, Welle gab es so gut wie keine, die Sonne schien und wir si
nd so ruhig gelegen, man merkte gar nicht, dass wir nicht mehr im Hafen waren. So ging es dann bis zum Abend, dann schlief der Wind leider etwas ein, sodass wir eine Maschine bei niedriger Drehzahl für 2-3 Stunden in der Nacht laufen lassen mussten, um noch so schnell zu sein, dass es nicht zu unruhig an Bord wurde. Nach Mitternacht kam der Wind aber dann wieder gemütlich zurück und ab diesem Zeitpunkt bis kurz vor Sao Vicente blieben dann die Segel in dieser Stellung: Das Großsegel war mit dem Bullenstander auf der Steuerbordseite fixiert und das Vorsegel haben wir auf der Backbordseite ausgebaumt, wir konnten es so immer noch stufenlos reffen.
Die Erinnerungen an die einzelnen Tage sind wenig, denn immerhin passiert den ganzen Tag eigentlich nichts. Wir haben kein festes Wachsystem, bei uns schläft der, der gerade müde ist, das kann heißen, dass man mal nur eine halbe Stunde schläft oder eben auch mal 4 oder auch 5 Stunden am Stück. Für uns hat sich dieser „Rhythmus“ als gut erwiesen, ein straffer 3 oder 4 Stunden Rhythmus hätte nur dafür gesorgt, dass der Wachhabende eigentlich gerade müde ist und der der schlafen könnte, nicht schlafen kann. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch war ich dann zum ersten Mal auf dieser Reise ein klein bisschen seekrank. Danach blieb ich weitestgehend davon verschont und nur kurz vor der Ankunft hat es mich nochmal erwischt. Alles in allem bin ich mir aber sicher, dass das Scopolamin Pflaster große Wirkung gezeigt hat. Am vielleicht wichtigsten war aber die Einnahme von Vitamin C. Ich habe schon ein paar Tage vor der Abfahrt täglich pures Vitamin C zu mir genommen und unterwegs hab
e ich das beibehalten. Wenn es mir dann manchmal etwas übel wurde, habe ich wieder etwas Vitamin C genommen und nach ca. 30-60 min waren die Beschwerden so gut wie weg. Ich kann also jedem nur empfehlen, seinen Vitamin C-Spiegel am oberen Limit zu halten, das hilft ungemein.
Am Mittwoch Abend hat dann wie vorhergesagt der Wind etwas zugenommen, bis dahin hatten wir nur ca. 12-18 Knoten Wind. Bis Freitag früh hatten wir dann ca. 16-25 Knoten Wind, und so sind wir sehr gut und sehr ruhig voran gekommen. Hier hat Sven auch das erste Mal unterwegs richtig gekocht, es gab eine Gemüsepfanne mit Reis, was uns sehr gut geschmeckt hat. Wie vorhergesagt wurde der Wind zum Wochenende etwas ruhiger, sodass wir etwas langsamer wurden, aber auch die Welle wurde flacher und so war es nicht unangenehm etwas langsamer zu segeln. Leider wurde dann aber auch klar, dass wir Mindelo wohl mitten in der Nacht erreichen werden. In allen Revierführern wird davon abgeraten die Kap Verden bei Dunkelheit anzulaufen, was daran liegt, dass die meisten Leuchtfeuer nicht funktionieren und auch wenn sie funktionieren leuchten sie nicht so, wie sie das eigentlich sollten (für alle nicht so Leuchtfeuervertrauten: In der Seekarte ist eingetragen in welcher Farbe das Leuchtfeuer leu
chtet, und wie es leuchtet, zum Beispiel 3 kurze weiße Blitze mit einer Wiederkehr von 20 Sekunden, d.h. alle 20 Sekunden wiederholt sich das Schema, so lässt sich jedes Leuchtfeuer eindeutig identifizieren. Außerdem ist angegeben wie weit man das Leuchtfeuer sehen kann). Desweiteren sind die Kap Verden generell nicht sehr gut kartographiert, dazu kommt dann noch, dass hier einige Wracks liegen, die nicht kartographiert sind und es auch viele unbeleuchtete Ankerlieger gibt. Außerdem gibt es natürlich auch hier zwischen den Inseln einen Düseneffekt, der plötzlich doppelte (!) Windgeschwindigkeiten hervorrufen kann. Alles Gründe, lieber nicht bei Nacht anzukommen. Uns blieb aber nichts anderes übrig, wir konnten die Geschwindigkeit weder so stark erhöhen noch so stark verringern, dass wir bei Tageslicht angekommen wären. Man muss aber auch sagen, dass sich die Ansteuerung bei Nacht natürlich sehr stark durch den Einsatz durch GPS und digitale Seekarten verbessert hat, so weiß
man immer wo man ist, was früher nicht immer der Fall war. So sind wir also in der Nacht von Sonntag auf Montag gut gerefft an die Insel heran gesegelt und haben darauf gewartet, dass das Leuchtfeuer von Santo Antao (der Nachbarinsel von Sao Vicente) auftaucht, laut Seekarte kann man dieses 17 sm weit sehen. Als wir ungefähr 10 sm davon entfernt waren, konnte man mit Fantasie ein Blinken erkennen, aber das hat so überhaupt nicht mit der Kennung des Leuchtfeuers in der Seekarte übereingestimmt. Zum Glück hat dann aber das Leuchtfeuer auf dem Fels, der in der Einfahrt in die Bucht von Mindelo liegt, zuverlässig funktioniert. Hier hat dann auch der Wind von ehemals 10 Knoten auf an die 30 Knoten zugenommen! Nachdem wir diesen Fels passiert hatten, habe ich mit unserem Handscheinwerfer das Wasser nach Moorings, Netzen, Wracks und unbeleuchteten Ankerliegern abgesucht und habe auch einige gefunden! Wir sind ganz langsam in die Bucht eingelaufen und haben dann südlich von der Mari
na bei ca. 6 anderen Yachten den Anker auf 5-6 m fallen gelassen. Zuerst wollte er nicht richtig halten, doch dann war er gut eingefahren und wir konnten die Maschine ausmachen. Wir waren angekommen! So richtig realisiert haben wir das da noch nicht, schließlich war auch alles so dunkel und man hat von der Insel und der Stadt nicht viel erkennen können. Nach so einer langen Fahrt bin ich immer sofort sehr müde, ich habe nur noch geduscht und bin sofort ins Bett gegangen. Sven ist direkt nach der Ankunft immer recht fit, bei ihm kommt das dann immer erst mit einem Tag Verzögerung.
Die Nacht haben wir im absoluten Tiefschlaf verbracht und waren am Morgen noch etwas verpeilt. Aber das gemeinsame ausgiebige Frühstück hat uns dann wieder zum Leben erweckt und wir konnten nun auch begutachten wo wir hier gelandet waren! Die Wassertemperatur stieg schon während der Fahrt stetig, hier haben wir jetzt fast 26°C! Das Wasser ist recht sauber und so kann man sehr gut baden. Die Stadt sieht von weitem auch sehr einladend aus. Den Montag haben wir dann genutzt, um das Schiff wieder auf Vordermann zu bringen. Unser Felix war sowohl innen wie außen unglaublich salzig, da musste erst mal alles abgewischt werden. Die Segel haben wir auf Schäden untersucht und ordentlich aufgeräumt. Auch das Rigg haben wir genau kontrolliert und es ist außer dem normalen Verschleiß keine Beschädigung festzustellen, hat unser Felix also alles gut mitgemacht. Dazu muss man sagen, dass bei tagelanger gleicher Segelstellung Scheuerstellen am laufenden Gut vorprogrammiert sind, man sollte al
so ab und zu die Leinenstellung verändern, um die Abnutzung zu verteilen. Es macht schon einen Unterschied, ob man am Wochenende für ein paar Stunden segeln geht oder ob das Schiff 7 Tage 24 Stunden am Stück unter Dauerbelastung steht. So ging der Tag schnell rum und wir haben noch unser restliches Gemüse von Las Palmas am Abend gekocht und mit einer Flasche exzellentem französischem Cidre, die wir seit der Normandie mit uns herum fahren, auf unsere Ankunft angestoßen.
Am Dienstag haben wir dann das Dingi in Betrieb genommen und sind in die Stadt gefahren, um die Einklarierungsformalitäten zu erledigen und uns die Stadt anzuschauen. Die Fahrt zur Marina war etwas abenteuerlich, da unser Außenborder nicht sehr zuverlässig funktioniert hat. Da der Wind seit unserer Ankunft hier stetig kräftig aus Nordost weht (immer mit über 20 Knoten) und sich auch eine kleine Welle aufgebaut hat und wir ja genau nach Nordosten zur Marina müssen ist das nur mit Rudern kaum zu schaffen. Wir mussten den Motor mehrere Male neu starten und sind dann irgendwann doch noch angekommen. In der Marina kann man gegen eine Gebühr sein Dingi sicher anbinden. Auf Nachfrage beträgt die Gebühr pro Tag 4 €, bleibt man 2-4 Wochen verringert sich der Tagessatz auf 2 €, bei einem Jahresaufenthalt nur noch 1 €. Wir haben dann für 2 Wochen bezahlt und nun aber nur 1500 CVE (Kapverdische Escudos) bezahlt, das entspricht knappen 14 €. Warum wir nur ca. 1 € pro Tag bezahlt haben, wi
ssen wir auch nicht, ist ja aber auch egal! Wir sind dann Richtung Frachthafen zur Immigration gelaufen und schon da wurde klar, dass es hier wirklich viel wärmer ist, allerdings ist es durch den ständigen Wind dennoch angenehm. Nach ein bisschen Rumfragen haben wir dann auch die Policia Maritima gefunden. Dort wurden wir von einem sehr netten Polizisten empfangen, der auch recht gut englisch konnte. So haben wir ganz entspannt ein Formular und eine Crewliste ausgefüllt. Die Schiffspapiere verbleiben hier solange bei der Polizei (ohne Quittung, wie unangenehm!), bis wir wieder ablegen, dann wird auch eine kleine Gebühr fällig (700 CVE, ungefähr 6,40 €). Der Stempel im Pass hat dann doch etwas länger gedauert, da das Büro der Immigration nicht besetzt war, obwohl es das wohl eigentlich sein sollte. Wir sind dann ein bisschen durch die Stadt gelaufen und es hat uns sehr gut gefallen! Die Menschen sind alle sehr freundlich und sehr hilfsbereit, aber dennoch nicht aufdringlich.
Wir waren in der Markthalle, in der ausschließlich Frauen kleine Stände betreiben, dort bekommt man sehr viele Kräuter, sowie vor allem sehr grundlegendes Gemüse, auffallend war, dass alles Gemüse etwas kleiner ist, als das was wir kennen vor allem die Paprika sind hier nur so groß wie eine Tomate, kein Vergleich zu den fast melonengroßen Paprika auf den Kanaren. Danach waren wir noch beim Fischmarkt, auch dort verkaufen fast nur Frauen den Tagesfang. Auch auf der Straße davor werden einem aus Eimern Fische zum Verkauf angeboten. Einen Supermarkt haben wir auch gefunden, dort gibt es eigentlich so gut wie alles. Vom Preisniveau ist es gar nicht so teuer. Reis, Konserven und Milch sind ein bisschen teurer als in Europa, Gemüse und Fleisch ist nicht allzu teuer. Nur sollte man hier keinen Käse kaufen, ein Stück „Standardkäse“ kostet hier dann gerne mal 12 €. Zum Glück haben wir noch ein paar Stücke kanarischen Käse gekauft, so müssen wir auf diesen Luxus vorerst nicht verzicht
en. Am frühen Nachmittag tauchte dann auch der Beamte der „Stempelbehörde“ auf und wir konnten gegen eine Gebühr von 500 CVE und erneutem Ausfüllen einer Crewliste unsere gestempelten Pässe entgegen nehmen.
Als wir dann den Heimweg mit dem Dingi antreten wollten, hat unser Außenborder komplett gestreikt. Da wir aber ja dann den Wind von hinten hatten, sind wir ohne viel Ruderaufwand zum Schiff zurück gekommen. Dort angekommen hat Sven sich dann den Außenborder genauer angeschaut. Nachdem er eine halbe Stunde im stark wackelnden Dingi (wir haben heute manchmal Böen bis zu 27 Knoten und dementsprechend hat sich hier eine Welle aufgebaut) gewerkelt hatte und er den Fehler noch nicht gefunden hatte, kam ein lokales Fischerboot mit zwei Männern vorbei, der eine von ihnen konnte recht gut englisch und hat gesagt, er hätte gesehen, dass Sven versucht den Motor zu reparieren und er könne helfen, er sei ein Mechaniker. Schwuppdiwupp war es schon bei Sven im Dingi. Da es dann doch zu unruhig wurde, haben wir den Motor in die Plicht gebracht und dort haben die beiden alles kontrolliert und sind darauf gekommen, dass die Zündkerze kaputt war. Da Sven unterwegs auch festgestellt hat, dass un
ser Hydraulikzylinder der Rudersteuerung etwas öliger war als sonst, haben wir uns auch vorgenommen hier zu fragen, ob jemand die Dichtungen des Zylinders tauschen kann. Da Fuidio (so heißt der gute Mann) einen sehr versierten Eindruck gemacht hat, haben wir ihn gefragt ob er das machen könne. Und das Glück war auf unserer Seite, diese Arbeit ist ihm nicht fremd, also wurde der Zylinder ausgebaut und er hat ihn nun mitgenommen und will ihn schon morgen wieder zurück bringen. Wo er die Zündkerzen und die Simmeringe für den Hydraulikzylinder herbekommt, weiß er auch schon und so hoffen wir, dass morgen Abend wieder alles funktioniert! So schnell wie Fuidio zur Stelle war, konnten wir gar nicht schauen. Ein ganz neues Gefühl, dass einem die Hilfe so schnell angeboten wird, man muss natürlich auch eine Portion Vertrauen mitbringen, denn schließlich ist er jetzt mit unserem Zylinder „auf und davon“. Aber er hat uns gezeigt wo er wohnt und uns seine Telefonnummer aufgeschrieben, a
uch hat sich nun auch schon bei uns gemeldet und will morgen Vormittag wieder vorbei kommen. Sven hat ihn dann an Land zurück gerudert, der Motor funktioniert ja leider nicht. Das war noch recht einfach, aber das Zurückrudern hat Sven alle Kräfte gekostet. Sehr viel länger hätte der Weg nicht sein dürfen, sonst wäre ihm die Kraft ausgegangen, da der Wind und die Welle ihn so stark abgetrieben haben, dass er kaum in Richtung Schiff voran gekommen ist.
Wir sind also kaum 2 Tage hier und schon haben wir die selbstverständliche Hilfsbereitschaft der Einheimischen gespürt. Wir fühlen uns hier sehr wohl und auch sicher, was nicht ganz selbstverständlich ist, denn von den Kapverden kann man ja viele abenteuerliche Geschichten von Überfällen und Diebstählen lesen.
Da es ein paar Fußminuten von der Marina entfernt einen wunderschönen Strand gibt, wo das Wasser türkisfarben und der Sand unglaublich hell ist, werden wir dort auch noch hingehen. Die nächsten Tage werden wohl wie im Flug vergehen und dann heißt es schon wieder Abschied nehmen. Aber durch die Überfahrt hier her haben wir noch mehr Vertrauen in unseren dicken Felix bekommen. Schön ist auch, dass ich die Seekrankheit nun so weit im Griff habe, dass ich die Überfahrt meistens genießen kann und das ist für mich sehr wertvoll.

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