Eine Insel mit zwei Booten

Es ist gerade Spring, d.h. die Tide ist besonders hoch und die Strömung noch stärker als sonst. Den ganzen Tag schon hat es riesige Inseln aus Gräsern wie Bambus und Schlamm den Fluß hinauf- und wieder herunter getrieben. Die Inseln sind sehr kompakt und diejenige, die sich schließlich in unserer Boje verfangen hat, war in etwa genauso lang und breit wie unser ganzes Schiff. Das Zeug stinkt dabei erbärmlich nach Faulgasen und ist bewohnt von einer Unzahl an Insekten und kleinen Krebsen, die auch sofort den Weg an Bord über die Mooringleine finden. Das wieder loszuwerden ist eine unglaubliche Arbeit, da der Wasserwiderstand in der starken Strömung unglaublich stark ist und sich damit der zähe Bambus richtig im Bojengeschirr verkeilt. Die Boje wurde sogar komplett unter Wasser gedrückt und die Festmacherleinen waren gespannt wie Klaviersaiten. Über eine Stunde habe ich gebraucht, um in mühsamer Kleinarbeit auf dem Vordeck liegend, jeden einzelnen Bambusstrang mit dem Bootshaken abzureißen. Gut daß ich das dann schlußendlich und schon im Dunkeln noch hinbekommen habe, denn ein paar Stunden später, etwa um 3 Uhr in der Nacht wache ich durch ein unschönes Geräusch auf. In einer Minute bin ich mit der Stirnlampe auf dem Vorschiff und sehe eine holländische Yacht, die sich offensichtlich ebenso eine Insel eingefangen und sich daraufhin von ihrer Boje losgerissen hat, mit ihrem Heck in unserem Vorschiff „stehen“. Kein schöner Anblick, könnt ihr mir glauben! Ich schreie nach Leibeskräften um die Crew aufzuwecken und starte gleichzeitig die Maschinen. Diese springen auch zum Glück sofort an und ich schaue zu, daß ich unser Heck wegbekomme, so daß die Yacht an uns vorbeitreiben kann, denn offensichtlich ist niemand an Bord. Unsere zwei(!) Mooringleinen sind durch den Zusammenstoß und vor allem den Wasserwiderstand von zwei Yachten und einer Grasinsel gerissen. Ich bin momentan alleine auf dem Schiff, da Sabine noch in Deutschland ist, ihre Mutter hatte einen runden Geburtstag. Während ich nun auf dem Vordeck kurz die Schäden inspiziert habe, driftet Blue Felix in der starken Strömung sehr schnell durchs Bojenfeld. Ich muß also zusehen, daß ich nicht auch noch in jemanden crashe. Ich sehe, daß es den einen Teil unserer Ankerwinsch durch den unglaublichen Zug auf den einen der beiden Festmacher zerlegt hat. Allerdings brauche ich die Ankerwinsch unbedingt, da ich ja nun schnellstens vor Anker gehen muß. Immer wieder muß ich vom Vordeck zurück ans Ruder und an die Maschinen hetzen um Blue Felix gegen die starke Strömung und frei von den anderen Yachten zu halten. Es gelingt mir, das gebrochene Teil von der Winsch abzumontieren, so daß sie nicht mehr blockiert und nun wieder benutzt werden kann. Ich führe bei starker Strömung und in völliger Dunkelheit allein das Ankermanöver durch und bin schließlich sicher. Unsere lieben Nachbarn, Linda und Efgeni von dem Wharram Katamaran EBO, haben mich schreien gehört, als ich versucht hatte, die Crew der holländischen Yacht zu wecken. Nachdem sie die Lage verstanden hatten, hat Linda geistesgegenwärtig sofort über Seefunk die Küstenwache benachrichtigt, da die holländische Yacht ja immer noch mit ihrer Insel driftet und dann sind sie unverzüglich mit ihrem Dinghi zu mir geeilt. Ich war ja nun schon sicher vor Anker und helfen hätten sie mir sowieso nicht gekonnt, also habe ich mit Efgeni erst einmal vom Dinghi aus unser Vorschiff inspiziert. Gott sei Dank hat es keine schlimmeren Schäden gegeben, der Zusammenstoß war durch einen Teil der Grasinsel gedämpft. Die Reling ist ordentlich verbogen, einen Teil der Ankerwinsch hat es zerlegt und noch eine Kunststoffrolle. Nun sind wir so weit mit Blue Felix gesegelt und haben in unzähligen Schleusen, Docks und Marinas festgemacht, lagen vor Anker unter schwierigsten Bedingungen und kaum eine Schramme haben wir in unser Schiff gefahren und nun das. Sehr ärgerlich! Morgens um 6 Uhr, kurz nach Sonnenaufgang kam dann ein Motorboot und hat die abgedriftete Yacht abgeschleppt und wieder an eine Boje gehängt. Ich bin dann Ankerauf gegangen und habe nun wieder an meiner alten Boje festgemacht. Was für eine Nacht! Sabine kommt heute abend wieder, sie hat dann auch noch was zu erzählen, sie hat ihren Flieger auf die letzte Minute bekommen, weil der Deutschen Bahn mal wieder ein Zug kaputt ging und die anschließenden natürlich alle Verspätung hatten. Nun darf ich mich erst einmal um Versicherungen und Reparatur kümmern, das wird sicher nicht einfach werden, da der Eigner der holländischen Yacht wahrscheinlich momentan in Holland ist. Zum Glück ist unser Schiff immer noch segelklar und die Teile, die ich benötige, bekomme ich hier sicher nicht, hoffentlich dann in der Karibik. Nicht auszudenken, wenn uns die andere Yacht am Vorstag erwischt hätte oder uns ein Loch in den Rumpf gemacht hätte.

Die Betreiber des Bojenfelds schleppen die Insel weg, die die holländische Yacht von ihrer Mooring losgerissen hatte.

Die Betreiber des Bojenfelds schleppen die Insel weg, die die holländische Yacht von ihrer Mooring losgerissen hatte.

Grasinsel, die ich nachts noch entfernt hatte.

Grasinsel, die ich nachts noch entfernt hatte.

Der ist in uns reingedriftet!

Der ist in uns reingedriftet!

kurze Schadensbegutachtung direkt nach dem Zusammenstoss

Kurze Schadensbegutachtung direkt nach dem Zusammenstoss.

Kurz nachdem Zusammenstoss.

Kurz nachdem Zusammenstoss.

Unsere Ankerwinsch hat es teilweise zerlegt.

Unsere Ankerwinsch hat es teilweise zerlegt.

verbogene Reeling

verbogene Reling

Ankerrolle.

Ankerrolle.

Die holländische Yacht wird abgeschleppt und wieder an die Mooring gelegt.

Die holländische Yacht wird abgeschleppt und wieder an die Mooring gelegt.

 

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